Christa Mayerhofer: Rentermoritat, Bericht aus dem Blaumännle vom 16.03.2018  


LITERATUR / KLEINVERLEGER MARTIN GEHRING IST SEIT MäRZ 2017 EIN BLAUBEURER
Bücher abseits vom Mainstream
Aus zwei seiner Bücher liest er am 19. Januar im Theater in der Talmühle
Die "Edition dreiklein" ist ein kleiner Verlag, nichtsdestotrotz ist Martin Gehring stolz darauf. Doch Gehring ist nicht nur Verleger, bei anderen Verlagen hat er schon zwei Bücher herausgebracht. Aus diesen wird er am 19. Januar im Theater in der Talmühle lesen.

PETER SCHUMANN

blaubeuren·: Martin Gehring und seine Partnerin Marion Hartlieb sind seit März vergangenen Jahres Blaubeurer. "Am Anfang ist uns die Umstellung schon schwergefallen", sagt er. "In Ulm hat man andere Möglichkeiten." Doch mittlerweile habe man sich sehr gut eingelebt, denn die Tage, in denen Gehring und seine Partnerin das dringende Bedürfnis haben, ins Kino zu gehen oder sonst etwas zu unternehmen, sind geringer geworden. Gehring (53) wird statt dessen das Blaubeurer Kulturleben selbst bereichern. Am Freitag, 19. Januar, liest er im Theater in der Talmühle aus seinen zwei Büchern, die bei zwei unterschiedlichen Verlagen erschienen sind. Was er genau lesen wird? "Das mache ich abhängig, wie das Publikum reagiert." Es wird auch ein bisschen von seiner Stimmung abhängen. Beginn der Lesung ist um 20 Uhr, dazu gibt es Gitarrenmusik. Der Eintritt kostet acht Euro. 
Gehring hätte seine beiden Bücher "El Prollo" und "Notizen aus dem Oberstübchen" auch selbst verlegen können. Denn 2011 hat er den Verlag "Edition dreiklein" gegründet, mit damals gerade einem Titel. Einem Bilderbuch für Kinder, gezeichnet von seiner Partnerin Marion Hartlieb. "Mit diesem einzigen Titel sind wir dann zur Buchmesse nach Leipzig gefahren", erinnert sich Gehring an die Anfangszeit. Mit der Zeit kamen weitere Bilderbücher hinzu, mittlerweile auch Titel von anderen Autoren wie etwa von Marco Kerber ("Volkslyrik") und Anselm Maria Sellen ("Vater"). Warum er seine Bücher nicht selbst verlegt, hat einen guten Grund: Das Selbstverlegen "macht den Markt kaputt", viele Titel seien auch nicht gut, sagt Gehring. Er legt zum Beispiel großen Wert darauf, dass die bei ihm erscheinenden Bücher originell und auch gut lektoriert sind.
Seinen Lebensunterhalt kann Gehring als Verleger nicht verdienen, deshalb hat er einen ganz bürgerlichen Beruf: Er ist Kunststofftechniker, sie freiberufliche Textildesignerin. Das Verlegen von Büchern ist für ihn nicht nur Hobby, sondern eine Leidenschaft. "Wer das macht, muss ein bisschen verrückt sein", sagt Marion Hartlieb. Der Vertrieb der bei ihm erschienenen Bücher läuft über "Books on demand", die damit auch Geld verdienen. "Ein paar Euro bleiben aber übrig", sagt Gehring. Seine Autoren hat er sich ganz bewusst ausgesucht, sie sollen abseits des Mainstream schreiben. Das Buch "Warten" etwa sei schon sperrig, man müsse als Leser auch Pausen machen. Das Buch "Tao Teh Kitten" andererseits wirke nur, wenn es laut gelesen werde, sagt Hartlieb. Denn es ist in Lolspeak geschrieben, die gilt als Katzensprache. Schon allein daran lässt sich erkennen, dass Mainstream nicht seines ist.

Erscheinungsdatum:  05.01.2018, Copyright Das Blaumännle


KULTUR / KASPER HAT JETZT IN DER TALMüHLE EINEN FESTEN PLATZ

THOMAS SPANHEL

Mehr Raum fürs Theater Das Theater in der Talmühle startet mit mehr Platz in die neue Saison. Die erste Aufführung am Samstag, 16. September, findet schon in einem neuen Raum statt.
Blaubeuren·: Das Theater in der Talmühle wächst um rund 40 Quadratmeter. Nachdem ein Marktbeschicker den Nachbarraum im Gebäude Karlstraße 44 gekündigt hatte, nahm das Theater das Nutzungs-Angebot von Vermieter Walter Luz dankend an, berichtet Barbara Rinker, Vorsitzende des Blaubeurer Puppenspiel- und Theatervereins. "Das war ein Glücksfall: Jetzt brauchen wir das Kaspertheater nicht mehr bei jeder Vorstellung auf- und abbauen." Der neue Raum mit einem Zugang, der sich direkt an die Theaterräume anschließt und bis zu 60 Personen aufnehmen kann, soll künftig als Multifunktionsraum dienen, etwa auch für Spieler- und Vereinsversammlungen.
Am 16. und 17. September, wenn die neue Theatersaison mit dem Stück "Kasper und die adlige Verwandtschaft" beginnt, wird der Raum erstmals genutzt. Vereinsmitglieder haben ehrenamtlich die Kulissen und die Einrichtung hergerichtet - unter anderem mit zurechtgenähten Vorhängen und großen Tüchern, die aus einem früheren Singspiel stammen. Rund 1200 Euro sind in die Neuausstattung geflossen. Dafür haben jetzt die elf Spieler im Marionetten-Theater deutlich mehr Platz, denn einige Puppen und Marionetten werden im neuen Raum aufbewahrt. "Die Vorbereitung der Aufführungen wird schneller funktionieren", sagt Barbara Rinker. Außerdem werde es möglich, Kindergärten und Schulen Aufführungen vormittags oder am frühen Nachmittag anzubieten.
Sorgen macht ihr derzeit, dass die "Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten" höhere Gebühren bei der Nutzung von Musikeinspielungen verlangt. "Jede Aufführung von 'Hänsel und Gretel' kostet uns dadurch rund 100 Euro mehr." Eintrittspreise müssten deshalb wohl nach oben gehen. Glücklicherweise sei Vereinsmitglied Siegfried Hermann bereits dabei, mit seiner Familie die Musik fürs Marionetten-Theater "Frauenlieb und Frauenlist" einzuspielen. Das senke die Unkosten stark.

INFO


Das neue Theaterprogramm liegt aus. Kartenreservierung: Barbara Rinker, 07344/919326.

 
 
Erscheinungsdatum:  08.09.2017, Copyright Das Blaumännle